Watch Dogs 2 im Test – GTA aber auf die witzige Art

Watch Dogs 2 erweist sich im Test als Reboot für die Serie. Von dem depressiven ersten Teil, rein in eine charmantere, witzigere und smartere Kampagne, die sich ähnlich strukturiert wie GTA 5. Watch Dogs 2 ist ein dramatisch besseres Spiel als das erste Watch Dogs, weil sich San Francisco homogener und lebhafter anfühlt als das langweilige und depressive Chicago und weil einem seine Charaktere sehr viel schneller ans Herz wachsen. Klar hatte der Vorgänger gute Ansätze, doch es gab allerdings einige zentrale Probleme: Zu oft hat sich etwas wiederholt. Genau das gibt es in Watch Dogs 2 nicht, denn spielerisch wird verhältnismäßig wenig wiederholt. Zudem hat Watch Dogs 2 den Charme, den Witz und die Ideen, die GTA so groß gemacht haben. Aiden Pearce war sicherlich der schwächste Protagonist, den Ubisoft je geschrieben hat. Es fühlte sich komisch an, dass sich jemand durch ganz Chicago schlachtet und zig Menschen tötet, um den Tod seiner Nichte zu rächen und einen Konzern zu Fall zu bringen, der ein paar Daten sammelt.

Darum freuen wir uns gerade so über Marcus und seine dezent durchgeknallte Crew in Watch Dogs 2. Marcus ist der coole Typ von Nebenan, der immer einen lockeren Spruch parat hat. Die Gags sind echt gut und die Dialoge mitunter großartig geschrieben. Watch Dogs 2 ist vor allem deshalb ein echt gutes Spiel geworden, weil es die depressive Grundstimmung seines Vorgängers raus schmeißt und stattdessen von K.I.T.T. über Baywatch bis hin zu Donald Trump alles durch den Kakao zieht, was die USA von den 80ern bis heute bewegt. Die größte Schwäche vom ersten Watch Dogs war der unausstehliche Aiden Pearce. Marcus und seine durchgeknallte Hacker-Gang rund um Wrench hingegen ist uns viel schneller ans Herz gewachsen, als wir erwartet hätten.

Komische Charaktere, brillante Mini-Storys im Serien-Format

In Watch Dogs 2 macht sich eine Hacker-Gruppe namens Dedsec zum Ziel, das Silicon Valley und Konzerne, die die US-Wahlen beeinflussen wollen,aus der Welt zu schaffen. Die Geschichte ist in geschlossen Story-Kapitel unterteilt, die ihr jeweils über eine Smartphone-App aktivieren könnt. Die einzelnen Abschnitte haben dabei jeweils ein Grundthema und sind so inszeniert, dass sie eine Menge Humor beinhalten: Sei es Baywatch, Knight Rider oder zahlreiche andere große Serien der 80er, die durch den Kakao gezogenwerden.

Watch Dogs 2 schaltet alle Hacking-Features aus dem Vorgänger direkt zu Beginn frei, So startet ihr also gleich mit recht viel Macht. Später lässt sich beispielsweise „Swatting“ freischalten, womit ihr Gegner einfach von der Polizei verhaften lassen könnt. Auch Google, Facebook, Instagram, Tinder und Snapchat werden von Humor in den Missionen nicht verschont. Silicon-Valley-Milliardäre setzen neben menschlichen Security, auch Roboter mit Scannern ein.Das Hacken ist deutlich mächtiger und lässt sich ziemlich kreativ einsetzen. Sie können beispielsweise über Sicherheitskameras einen Waffenfetischisten beobachten, wie er seinen Gegner beim Zocken beleidigt. Schalten Sie jetzt die Polizei hinzu, stattet die ihm einen Besuch ab. Zudem lassen sich Gangverstecke leichter ausheben, wenn Sie über gefakte Anrufe SWATs aktivieren.Egal ob ihr schleicht oder schießt, beides macht Spaß, weil die KI zwar nicht super intelligent, aber sehr passabel agiert. Dabei suchen sie aktiv Deckung, versuchen ständig, ihre Überlegenheit mit Seitenwechseln auszuspielen und tragen bei Alarm Schutzwesten. Auch werfen eure Gegner präzise ihre Granaten und zwingen euch aus der Deckung. Doch die Wegpunkte sind nicht perfekt gesetzt, da Gegner weiterhin dort Deckung, wo bereits einer von den Bösewichten getötet wurde.

Erst nachdenken, dann agieren

Ähnlich wie in der Hitman-Reihe müsst oder dürft ihr auch mal um die Ecke denken, um noch clevere Lösungen zu finden, als einfach alle abzuknallen. Bei einer Mission haben wir recht viele Versuche gebraucht bis wir einen von rund 15 Mitarbeitern bewachten Server hacken konnten. Überall gab es Bewegungsmeldern und Sensoren. Zudem war es unmöglich sich einfach durchzuballern, da der Nachschub auch noch von SWAT-Teams der Polizei verstärkt wird. Die Lösung war dann eine auf dem Gelände stehende Hebebühne. Diese haben wir gehackt, sind damit aus der Sicherheitszone gefahren, haben die die Bühne nach oben gefahren, um so auf eine Mauer zu gelangen. Von dort hatten wir eine direkten Blick zum Hauptserver. Dann haben wir die Hebebühne in die Konzernzentrale gefahren, sind wieder drauf gesprungen, haben die Bühne abgesenkt und das System gehackt. Doch erwartet beim Hacken keine realistische Darstellung von Netzwerktechniken, da Marcus fast so schnell Server hackt wie James Bond.

Generell gibt es vieler solcher Missionen, in denen ihr mit Objekten interagieren müsst, die auf dem Gelände verteilt sind. Kommt es zum Feuergefecht helfen euch dabei diverse Upgrades wie Sniper-Aufsätze, Rotpunkt-Visier oder Perks, wie schneller Nachladen und Feuern aus dem Lauf. Fast alle Missionen lassen sich ohne Gewalt lösen, weil Sie insbesondere mit der Quadrokopter-Drohne ziemlich effizient Sicherheitssysteme umgehen und manipulieren können. Zudem gibt es zahlreiche nicht-tödliche Waffen wie eine Tazer-Pistole oder den Prototypen eines Tazer-Gewehrs mit deutlich höherer Reichweite. Aber auch Granatenwerfer, Scharfschützengewehr und Shotgun stehen auf Wunsch parat.Eine stärkere Open World als Watch Dogs & Checkerboard-4K 

Überfahrt ihr einen Passanten, halten sofort Fahrer an und sehen nach der Person. Und es verständigt immer jemand den Notruf, wodurch nur Sekunden später ein Rettungswagen vorbeigefahren kommt. Leider führt das manchmal zu sehr witzigen Bugs, weil Sanitäter scheinbar nur Verletzte einsammeln und ins Krankenhaus bringen. Ist die Person bereits verstorben, bleiben sie mit ihrem Fahrzeug stehen und sorgen für einen langen Stau. Das kann man wohl sicher mit einem Patch beheben.
Was uns sehr gut gefällt ist, wie lebendig sich San Francisco anfühlt und wie perfekt es umgesetzt ist. So könnt ihr von der Fisherman’s Wharf über die Einkaufsstraße am Union Square bis zur Blumen übersäten Lombard Street sowie dem AT&T-Park, Japanese Tea Garden, Aquarium of the Bay und dem beeindruckenden Palace of Fine Arts Hunderte kleiner und großer Sehenswürdigkeiten wieder entdecken.

Es ist schwer einzuschätzen, ob Watch Dogs 2 genauso viel große ist wie GTA 5, aber neben San Francisco könnt ihr über die Golden Gate Bridge nach Sausalito gelangen, einen Kurztrip bis in den Redwood-Nationalpark unternehmen und natürlich Palo Alto besuchen. Rein vom Umfang her ist Watch Dogs 2 allerdings nicht ganz so gigantisch wie GTA 5, so könnt ihr keine Jets kaufen oder Boing fliegen. Auf der technischen Seite hat uns noch etwas mehr Feinschliff und Liebe zum Detail gefehlt. Watch Dogs 2 wird auf der Playstation 4 Pro in 1800p gerendert und per Checkerboard-Verfahren in 3.840 × 2.160 Pixeln ausgegeben, sofern ein Ultra-HD-Display angeschlossen ist.

Die PS4 Pro ist zwar leistungsfähig, kann aber kein natives 4K bei spielbaren Frames rendern. Was uns nicht so sehr gefällt sind die Schatten. Manchmal gibt es gar keine oder sie wirken vorgereedert und passen nicht wirklich zum Stand der Sonne. Sollte jedoch auch hier mit einem Patch behebbar sein. Dafür finden wir den von Ubisoft sehr detailreichen eingesetzten Shader sehr gut!
Außerdem wirken die Zwischensequenzen gerade in 4K sehr real, weil die Gesichter extrem scharf und lebensecht dargestellt werden. Generell sind die Zwischensequenzen auch durch ihre exzellenten Schauspieler eines der größten Highlights des Spiels.

Fazit

Watch Dogs 2 hat eigentlich nur das Hacken von seinem Vorgänger geerbt, der Rest ist anders und sehr viel besser. Marcus kommt sympathisch rüber, seine Crew ist durchgeknallt und die Missionen sind origineller und vor allem abwechslungsreicher. Spielmechaniken wiederholen sich sehr selten, auch weil es immer mehr als einen Weg gibt, um eine Herausforderung zu lösen. Es ist schon ziemlich toll herauszufinden, dass sich eine ganze Armee an Securitys umgehen lässt, indem ihr Kräne hackt. Watch Dogs 2 kann man daher auch mehrmals durchspielen kann, einfach um neue Möglichkeiten zu entdecken. Via Smartphone könnt ihr jederzeit aus der Kampagne in spezielle Koop-Missionen springen. Die Story lässt sich nicht im Koop spielen. Die Schauspieler sind gut gewählt. Jedoch wirkt die Technik nicht ganz im Gleichgewicht, da der Shader-Effekt mit den Echtzeit Reflektionen nicht perfekt zusammenspielen. Wir können damit leben und können jetzt schon sagen, dass Watch Dogs 2 eines der besten und kreativsten Spiele des Jahres ist.

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