Mit The Legend of Zelda: Ocarina of Time Remake kehrt eines der größten Abenteuer der Videospielgeschichte zurück. Nintendo verpasst dem Klassiker einen modernen Anstrich und lässt uns erneut in die magische Welt von Hyrule eintauchen.
Manche Videospiele begleiten einen über Jahrzehnte. The Legend of Zelda: Ocarina of Time gehört zweifellos dazu. Seit seinem ursprünglichen Release im Jahr 1998 hat Nintendos Abenteuer zahlreiche Spieler begeistert und sich einen festen Platz in der Videospielgeschichte gesichert. Ob der erste Ausflug nach Hyrule auf dem Nintendo 64 oder die spätere Neuauflage für den Nintendo 3DS – die Reise von Link ist für viele untrennbar mit ganz persönlichen Gaming-Erinnerungen verbunden.
Nun kehrt der Klassiker in einer umfassend überarbeiteten Version zurück. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des grünen Helden bekommt eines der bedeutendsten Abenteuer der Zelda-Reihe eine neue technische Grundlage. Doch kann das Remake den Zauber des Originals bewahren und gleichzeitig eine neue Generation von Spielern begeistern?
Ein zeitloses Abenteuer kehrt zurück
An der grundlegenden Geschichte hat Nintendo nichts verändert. Erneut schlüpfen wir in die Rolle des jungen Link, der durch eine schicksalhafte Prophezeiung in ein großes Abenteuer verwickelt wird. Gemeinsam mit Prinzessin Zelda muss er das Königreich Hyrule vor dem finsteren Ganondorf beschützen.
Im Mittelpunkt steht dabei die titelgebende Okarina der Zeit. Mithilfe des magischen Instruments kann Link zwischen Vergangenheit und Zukunft reisen. Was zunächst wie ein vergleichsweise kleines Abenteuer beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer epischen Reise, auf der Freundschaften geschlossen, mächtige Artefakte gesammelt und die Geheimnisse Hyrules aufgedeckt werden.
Die Geschichte bleibt dabei vollständig ihren Wurzeln treu. Große Wendungen oder Veränderungen an der bekannten Zelda-Zeitlinie gibt es nicht. Stattdessen wurden einzelne Szenen erweitert und erzählerisch etwas stärker ausgearbeitet. Besonders der Moment, in dem Link erstmals das Master-Schwert aus seinem Sockel zieht, profitiert von der zusätzlichen Inszenierung. Das verleiht bekannten Ereignissen mehr Gewicht, ohne den ursprünglichen Charakter der Geschichte zu verändern.
Auch heute funktioniert die Erzählung noch hervorragend. Die Mischung aus märchenhafter Fantasy, geheimnisvollen Orten und einer Reise durch verschiedene Zeitebenen hat nichts von ihrer Faszination verloren.
Hyrule schöner als je zuvor
Schon in den ersten Spielminuten wird deutlich, wie viel Arbeit in die technische Überarbeitung geflossen ist. Das Remake präsentiert sich als visuell beeindruckende Neuinterpretation des Klassikers und gehört zu den bislang eindrucksvollsten Titeln auf der Nintendo Switch 2.

Besonders die zahlreichen kleinen Details sorgen dafür, dass Hyrule lebendiger wirkt als je zuvor. Nebelschwaden schweben über dem Boden, geheimnisvolle Lichtstimmungen verleihen den Dungeons eine besondere Atmosphäre und aus geöffneten Schatztruhen dringt sichtbar Staub beziehungsweise mystischer Dunst hervor. Selbst Links Gesichtsausdrücke wurden überarbeitet. Spielt er beispielsweise auf seiner Okarina, wirken seine Bewegungen und Blicke deutlich ausdrucksstärker.
Auch die Umgebung profitiert enorm von der grafischen Überarbeitung. Sonnenaufgänge über der Landschaft, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und die detailreich gestalteten Schauplätze laden immer wieder dazu ein, kurz innezuhalten und die Welt auf sich wirken zu lassen.
Nicht nur die Landschaften haben davon profitiert. Auch die Bewohner Hyrules wirken individueller und besitzen deutlich mehr Persönlichkeit. Die Figuren unterscheiden sich stärker voneinander und tragen dazu bei, dass das Königreich insgesamt glaubwürdiger erscheint.
Es sind gerade diese Kleinigkeiten, die das Remake auszeichnen. Nintendo hat es geschafft, die vertraute Welt nicht einfach nur schöner aussehen zu lassen, sondern ihr zusätzliche Lebendigkeit zu verleihen.
Bewährtes Spielprinzip mit modernen Anpassungen
Wer das Original kennt, wird sich schnell zurechtfinden. Die grundlegende Struktur des Abenteuers bleibt erhalten, allerdings wurden einzelne Bereiche und Rätsel behutsam angepasst.
Bereits der frühe Abschnitt rund um das Kokiri-Schwert wurde leicht verändert. Auch Links heimliches Eindringen in Schloss Hyrule präsentiert sich mit kleineren Anpassungen. Selbst der berüchtigte Wassertempel wurde überarbeitet, sodass einige der früher besonders nervenaufreibenden Passagen etwas zugänglicher ausfallen.

Die wohl größte Veränderung betrifft jedoch die Steuerung. Das Remake läuft sowohl im TV-Modus als auch im Handheld-Betrieb mit einer nahezu konstanten Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde. Zusammen mit der überarbeiteten Steuerung fühlt sich das Spiel dadurch deutlich moderner und direkter an.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist eine dedizierte Sprungtaste. Link kann nun wesentlich flexibler durch die Spielwelt navigieren und Hindernisse überwinden. Auch seine übrigen Aktionen laufen spürbar flüssiger ab. Ob beim Werfen von Bomben, beim Einsatz des Hammers oder beim Ausweichen vor gegnerischen Angriffen – die Reaktionen erfolgen deutlich schneller als im ursprünglichen Spiel.

Das sorgt zwar für ein angenehmes Spielgefühl, hat allerdings auch eine Kehrseite: Das Abenteuer ist insgesamt spürbar einfacher geworden. Gerade erfahrene Spieler dürften feststellen, dass viele Situationen längst nicht mehr die Herausforderung darstellen, die sie aus früheren Versionen kennen.
Bosskämpfe verlieren an Herausforderung
Besonders deutlich zeigt sich die Anpassung des Schwierigkeitsgrades bei den Bosskämpfen. Die überarbeitete Steuerung und die zusätzlichen Kamerafunktionen machen viele Begegnungen deutlich zugänglicher.
Einige Gegner wurden sogar direkt abgeschwächt. Der Große Oktorok in Jabu-Jabus Bauch kämpft beispielsweise in einer veränderten Arena. Die rotierenden Stacheln in der Mitte wurden entfernt und auch sein Bewegungsmuster wurde angepasst.

Ähnlich verhält es sich mit Phantom-Ganon. Während seine Angriffe in früheren Versionen zunehmend schneller wurden und ein präzises Timing erforderten, bleibt sein Bewegungsablauf im Remake deutlich berechenbarer. Auch die Auseinandersetzungen mit den Zwillingshexen Koume und Kotake wurden entschärft.
Zwar verfügen einige Bosse über neue Angriffsmuster, diese werden allerdings vergleichsweise selten eingesetzt und kündigen sich meist sehr deutlich an. Dadurch lassen sich selbst unbekannte Attacken problemlos vermeiden.
Für Neueinsteiger ist diese Entwicklung durchaus positiv. Veteranen, die das Original bereits mehrfach abgeschlossen haben, könnten sich dagegen etwas mehr Gegenwehr wünschen. Ein zusätzlicher Heldenmodus oder die Rückkehr der anspruchsvolleren Master-Quest-Version hätten dem Remake ausgesprochen gutgetan.
Sinnvolle Komfortfunktionen und neue Inhalte
Neben den spielerischen Anpassungen hat Nintendo weitere Verbesserungen integriert. So lässt sich nun direkt erkennen, wie viele Herzteile und goldene Skulltulas in einem bestimmten Gebiet bereits gesammelt wurden. Das erleichtert die Suche nach den letzten fehlenden Sammelobjekten erheblich.
Auch wichtige Gegenstände wie die Okarina, die Stiefel und die Masken können über eigene Tasten schneller aufgerufen werden. Das spart Zeit und macht den Wechsel zwischen den verschiedenen Ausrüstungsgegenständen komfortabler.

Eine weitere Neuerung ist die sogenannte Halle der besiegten Gegner. Dort können bereits bezwungene Feinde und Bosse erneut herausgefordert werden. Teilweise lassen sich sogar mehrere Bosskämpfe hintereinander absolvieren.
Die Idee dahinter ist durchaus interessant. Allerdings bleibt das Potenzial der neuen Funktion weitgehend ungenutzt. Für das erneute Besiegen bestimmter Bosse gibt es lediglich kleinere Dekorationsgegenstände für Links Zimmer. Ein richtiges Belohnungssystem oder zusätzliche Herausforderungen fehlen hingegen.
Gerade ein Zeitmodus mit Bestenlisten oder individuell anpassbare Gegnerwellen hätten der Funktion deutlich mehr Langzeitmotivation verleihen können. So bleibt die Halle zwar eine nette Ergänzung, entwickelt sich aber nicht zu einem wirklich überzeugenden neuen Spielmodus.
Das Inventar und die Speicherfunktion sorgen für Frust
Nicht jede Neuerung ist gelungen. Besonders die Gestaltung des Inventars wirft einige Fragen auf.
Zwar gibt es zusätzliche Tasten für bestimmte Gegenstände, insgesamt steht allerdings weiterhin nur ein frei belegbarer aktiver Gegenstandsplatz zur Verfügung. Das ist angesichts der modernen Steuerungsmöglichkeiten unnötig eingeschränkt.

Die beiden Schultertasten dienen lediglich dazu, das Auswahlmenü für Gegenstände zu öffnen. Warum Nintendo nicht zumindest eine zweite frei belegbare Taste integriert hat, bleibt unverständlich. Gerade bei einem Remake, das ansonsten so viele Komfortverbesserungen mitbringt, wäre hier deutlich mehr möglich gewesen.
Auch das Auswahlmenü selbst könnte übersichtlicher gestaltet sein. Insbesondere die einzelnen Flaschen belegen jeweils einen eigenen Platz, obwohl sich diese problemlos in einer gemeinsamen Kategorie zusammenfassen ließen.
Noch ärgerlicher ist allerdings die Speicherfunktion. Statt der klassischen drei Speicherstände bietet das Remake lediglich einen einzigen aktiven Speicherplatz pro Nutzerprofil. Zusätzlich stehen fünf automatische Speicherstände zur Verfügung.
Das ist eine Entscheidung, die nur schwer nachzuvollziehen ist. Gerade bei einem vergleichsweise überschaubaren Zelda-Abenteuer gehören mehrere Speicherstände eigentlich zum gewohnten Funktionsumfang. So ließe sich beispielsweise ein vollständiger Spielstand dauerhaft sichern, während weitere Durchgänge oder besondere Herausforderungen auf separaten Speicherplätzen stattfinden könnten.
Wer das Abenteuer erneut beginnen möchte, ohne seinen bisherigen Fortschritt zu überschreiben, muss stattdessen ein neues Nintendo-Switch-Profil anlegen. Eine unnötig umständliche Lösung, die den Wiederspielwert spürbar einschränkt.
Hier bleibt zu hoffen, dass Nintendo mit einem späteren Update nachbessert.
Fazit: Eine Legende bleibt eine Legende
Es lässt sich kaum überschätzen, welchen Einfluss The Legend of Zelda: Ocarina of Time auf die Videospielbranche hatte. Seit seiner Veröffentlichung 1998 gilt das Abenteuer als Meilenstein des Genres und hat Generationen von Entwicklern und Spielern geprägt.
Das Remake beweist eindrucksvoll, warum dieser Klassiker auch Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination verloren hat. Die beeindruckende Grafik, die flüssige Performance und die zahlreichen Verbesserungen bei der Steuerung lassen Hyrule in völlig neuem Glanz erstrahlen. Gleichzeitig bleiben die Geschichte, die Charaktere und die unvergesslichen Dungeons unangetastet.
Natürlich ist nicht jede Entscheidung gelungen. Der deutlich reduzierte Schwierigkeitsgrad nimmt erfahrenen Spielern einen Teil der ursprünglichen Herausforderung. Die eingeschränkte Inventarsteuerung und insbesondere der einzelne Speicherplatz sind ebenfalls unnötige Schwachstellen. Auch die neue Halle der besiegten Gegner hätte deutlich mehr bieten dürfen.
Trotz dieser Kritikpunkte ist das Remake eine gelungene Neuauflage eines der wichtigsten Spiele der Videospielgeschichte. Vor allem Neueinsteiger bekommen eine hervorragende Gelegenheit, ein Abenteuer kennenzulernen, das die Zelda-Reihe bis heute prägt.
Für langjährige Fans ist die Rückkehr nach Hyrule ohnehin ein besonderes Erlebnis. Denn manche Abenteuer werden mit den Jahren nicht einfach nur zu Erinnerungen – sie bleiben zeitlos.
