Forza Horizon 6: Japan-Trip mit Licht und Schatten

Forza Horizon 6 od 75,9 € - Heureka.skVon der Wüste Mexikos in das Land der aufgehenden Sonne: Forza Horizon 6 nimmt uns mit auf Reise nach Japan. Doch kann der sechste Teil der Arcade-Racing-Reihe noch begeistern oder zeigen sich erste Abnutzungserscheinungen?

Die Spielwelt: Ein Miniatur-Japan zum Durchrauschen

Playground Games hat mit Forza Horizon 6 eine der abwechslungsreichsten Spielwelten der Reihe geschaffen. Statt auf weite Wüstenflächen setzt Teil 6 auf enorme landschaftliche Dichte: Bambuswälder, moosbewachsene Tempelanlagen, enge Fischerdörfer, schneebedeckte Gipfel und die vertikale Metropole Tokio liegen dicht beieinander.

Tokio ist deutlich größer als Guanajuato aus dem Vorgänger, mit mehrstöckigen Highways, Tunneln und nächtlichen Neonlichtern. Die Stadt wirkt technisch beeindruckend – leidet aber unter derselben Krankheit wie frühere Horizon-Teile: Sie fühlt sich leer an. Keine Fußgänger, kaum Verkehr, die berühmte Shibuya-Kreuzung nur ein abgesperrtes Fotomotiv. Für eine Millionenmetropole wirkt das virtuellen Tokio seltsam steril.

Außerhalb der Stadt glänzt das Spiel dagegen: Die japanischen Alpen mit ihren Touge-Bergpässen, Reisfelder und Küstenstraßen sind atemberaubend gestaltet. Besonders die Winterregion mit meterhohen Schneemauern überzeugt atmosphärisch.

Fahrphysik: Arcade-Spaß mit Schwächen

Das Fahrverhalten bleibt dem Arcade-lastigen Kurs treu. Mit dem Gamepad lassen sich selbst PS-Monster zugänglich steuern, Drifts gelingen leicht und belohnen mit Punktereign. Das Driften macht süchtig – besonders auf den kurvigen Bergstraßen der Touge-Rennen.

Allerdings zeigt sich ein bekanntes Problem: Die Fahrphysik unterscheidet sich zwischen den Disziplinen zu wenig. Ob Asphalt, Schotter oder Schnee – viele Fahrzeuge fühlen sich ähnlich an. Bei Offroad-Events gleiten die Wagen teilweise wie auf Seife, Gewichtsverlagerungen wirken kosmetisch statt fordernd. Für Arcade-Verhältnisse ist das Handling dennoch hervorragend, Simulation-Puristen werden aber wenig Profil spüren.

Umfang: Mehr des Bekannten

Über 550 lizenzierte Fahrzeuge stehen zur Verfügung – von japanischen JDM-Ikonen über deutsche Premiummarken bis zu skurrilen Kleinwagen. Das Tuning-System wurde erweitert, bleibt aber hinter Titeln wie Need for Speed: Underground zurück. Mehr Unterbodenbeleuchtung oder Felgen-Spinner wären im Japan-Setting wünschenswert gewesen.

Die Karriere startet diesmal bescheidener: Als Tourist arbeitet man sich über sieben Armband-Stufen zum Legenden-Status hoch. Dieses Wristband-System gibt der Progression mehr Struktur als im Vorgänger. Trotzdem überschüttet das Spiel einen weiterhin mit Credits, Autos und Wheelspins – das „Rags to Riches“-Gefühl verpufft schnell.Screenshot aus Forza Horizon 6.

Events: Spektakel und Alltag

Die Rennvielfalt ist gewaltig: Straßenrennen, Dirt-Events, Cross-Country, Drag-Racing, Drift-Zonen und neu Touge-Duelle (1-gegen-1 Bergab-Rennen). Die Highlights sind die Horizon-Rush-Events – abstrakte Stunt-Parcours mit Containern, Sprüngen und waghalsigen Streckenführungen, die an Split/Second erinnern.
Besonders stark: Showcases wie das Rennen gegen einen gigantischen Mech, der durch Tokio stapft – pures Arcade-Gold. Das Problem: Auf jedes Highlight kommen Stunden generischer Standardrennen.

Präsentation: Technisch stark, kulturell oberflächlich

Grafisch ist Forza Horizon 6 ein Hingucker. Die Lichtregie ist authentisch, die Vegetation detailreich (echte Sugi-Zedern, Hinoki-Zypressen), und die Jahreszeiten sorgen für Stimmungswechsel. Auf High-End-PCs läuft das Spiel flüssig, Konsolen bieten stabile 60 FPS.
Soundtechnisch gibt es Fortschritte: Motoren klingen präsenter und individueller. Allerdings dominieren sie den Mix zu stark – die Musik tritt in den Hintergrund. Der Soundtrack wirkt generischer als in früheren Teilen.

Kulturell bleibt das Spiel enttäuschend: Japans einzigartige Autokultur (Touge, Wangan, Bosozoku, Daikoku PA) wird nur gestreift. Die Inszenierung bleibt bei vorgelesenen Fakten über Baujahre – statt lebendiger Subkultur gibt es ein Themen-Restaurant-Erlebnis.

Fazit

Forza Horizon 6 ist ein wunderschöner, enorm unterhaltsamer Wohlfühl-Racer mit gewaltigem Umfang und grandiosem Fahrspaß. Die neue Japan-Kulisse bietet abwechslungsreiche Landschaften, die Karrierestruktur ist klarer, und die Rush-Events gehören zum Besten, was die Reihe je geliefert hat.
Gleichzeitig fehlt dem Spiel der Mut zur Tiefe: Tokio wirkt zu leer, die japanische Autokultur wird nur oberflächlich behandelt, und die Fahrphysik könnte differenzierter sein. Für Genre-Nerds, die Reibung und Profil suchen, ist das frustrierend. Für alle, die nach Feierabend in einer atemberaubenden Spielwelt entspannen und Autos sammeln wollen, gibt es kaum eine bessere Adresse.

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