
Electronic Arts hat das traditionsreichen Studios BioWare geschlossen, das der Publisher 2007 übernommen hatte.
BioWare prägte die Geschichte der Rollenspiele wie kaum ein anderes Entwicklerstudio. Mit Klassikern wie Baldur’s Gate, Baldur’s Gate II, Neverwinter Nights, Star Wars: Knights of the Old Republic und Jade Empire schuf das Team einige der einflussreichsten Vertreter des Genres und trug maßgeblich zu dessen Weiterentwicklung bei.
Seinen legendären Ruf festigte BioWare jedoch vor allem mit Dragon Age und der Mass Effect-Reihe. Insbesondere Mass Effect gelang es, komplexes erzählerisches Kino mit zugänglichen Spielmechaniken zu verbinden und damit Rollenspiele einem breiteren Publikum näherzubringen.
Doch die Erfolgsgeschichte bekam zunehmend Risse. Seit Mass Effect 3 aus dem Jahr 2012 konnte BioWare nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Dragon Age: Inquisition, Mass Effect: Andromeda, das inzwischen abgeschaltete MMO Anthem und zuletzt Dragon Age: The Veilguard waren dabei nicht grundsätzlich schlechte Spiele. Vielmehr gerieten die Projekte unter wechselnden Vorgaben und strategischen Neuausrichtungen unter Druck.
Kritiker sahen die Ursachen unter anderem in Konzepten, die sich stärker an aktuellen Branchentrends als an den eigentlichen Stärken des Studios orientierten. Auch Electronic Arts führte den Misserfolg von Dragon Age: The Veilguard auf grundlegende Entscheidungen beim Spielkonzept zurück.
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— BioWare (@bioware) October 21, 2026
Kostensenkungen statt langfristiger Experimente
Welche wirtschaftlichen Gründe hinter den geplanten Einschnitten stehen, berichtet Bloomberg. Demnach will Electronic Arts im Zuge einer umfassenden Restrukturierung rund 400 Arbeitsplätze abbauen und Kosten in Höhe von 700 Millionen US-Dollar einsparen. Besonders betroffen ist der Bereich Forschung und Entwicklung.
Hintergrund sind der finanzielle Druck nach der Übernahme durch den saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) und das Ziel, die Profitabilität des Unternehmens zu erhöhen.
In diese neue Ausrichtung passt offenbar auch das nächste Mass Effect nicht mehr. Das bei BioWare entwickelte Projekt soll zusammen mit dem Studio eingestellt werden. Aus einem öffentlich zugänglichen Schreiben an die Beschäftigten geht hervor, dass EA seine Ressourcen künftig stärker auf Sportspiele, Apex Legends und Action-Adventures wie den nächsten Star Wars Jedi-Ableger konzentrieren möchte.
Auch die Battlefield-Reihe soll fortgeführt werden. Gleiches gilt für ein neues Gemeinschaftsprojekt von DICE und Respawn, bei dem es sich Gerüchten zufolge um Star Wars: Battlefront 3 handeln könnte.
Fokus auf etablierte Marken und Wachstum
Electronic Arts setzt damit verstärkt auf bekannte Marken, die verlässlich hohe Verkaufszahlen versprechen, sowie auf Spiele mit langfristigem Umsatzpotenzial durch Live-Service-Angebote. Gleichzeitig sollen sich neue Vermarktungsmöglichkeiten erschließen, die über die klassische Gaming-Zielgruppe hinausgehen. Dabei könnten auch Synergien mit der Savvy Games Group entstehen, der zum PIF gehörenden Sparte für Videospiele.
In ihrem Schreiben beschreiben Chief Operating Officer David Tinson und Cam Weber, der für die Entwicklerstudios verantwortlich ist, ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld. Die größten Wachstumschancen sieht EA demnach außerhalb jener Märkte, Plattformen und Geschäftsmodelle, auf denen das Unternehmen traditionell besonders stark vertreten ist.
Künftig sollen Personal und Investitionen deshalb gezielter dort eingesetzt werden, wo EA das größte Potenzial für Spieler und nachhaltiges Wachstum erkennt.