Sniper Elite 4 im Test – Scharfschützen-Action in Süditalien

Auch im vierten Teil bietet Sniper Elite 4 solide Action. Auch die Grafik und Steuerung können mit deutlichen Verbesserungen glänzen. Einzig bei der Story bleibt Sniper Elite 4 erneut blass. 

Für die Sniper Elite Reihe gilt, dass sie stets solide Action bot, technisch und inhaltlich aber nie so richtig überzeugend war. Auch mit dem vierten Teil der Reihe soll das zumindest teilweise besser werden. Entwickler Rebellion hat einiges daran getan und die Grafik auf Next-Gen-Niveau gehoben und auch andere Ärgernisse wie eine unpräzise Steuerung wett gemacht.

Story

Inhaltlich bleibt Sniper Elite 4 den Grundsätzen der Reihe treu. Im Jahr 1943 – und damit im direkten Anschluss an die Geschehnisse aus dem dritten Teil – wird Sniper-Held Karl Fairburne nach Italien versetzt. Während die Vorbereitungen der Allierten zur Invasion des Mussolini-Reichs laufen, soll Fairburne hinter den feindlichen Linien Verwirrung stiften. In diesem Kontext kommt der Elite-Scharfschütze einem geheimen Plan der Deutschen auf die Spur. Was genau planen die Nazis? Und welche Rolle spielen dabei Fraktionen wie die Mafia und Widerstandskämpfer?

Umsetzung nicht ganz überzeugend

Das klingt erstmal gut, ist allerdings nicht schön umgesetzt. Das fängt schon beim Helden an. Fairburne sieht aus wie ein 0815 Actionheld wie aus Hollywood. Auch in den Dialogen spiegelt sich das wieder. Auch auf Fragen ob er Angst, Zweifel, Skrupel hat oder was ihn beschäftigt geht Sniper Elite 4 nicht wirklich drauf ein.

Außerdem bleiben auch die Nebencharaktere blass. Ob Mafiosi, Geheimagent oder Widerstandskämpferin, jede Person in Sniper Elite 4 wirkt beliebig austauschbar.

Gleiches gilt für die Story. Diese ist eigentlich nur als verbindendes Element für die einzelnen Missionen gedacht. Im Hintergrund steht der fiese Nazi-Plan; ansonsten wird nicht geklärt, warum Fairburne sich nun gerade in dieses oder jenes Gebiet begibt, um dort eine Aufgabe zu verfolgen.

Man muss aber sagen, dass die Story nie der eigentliche Fokus von Sniper Elite war. Trotzdem kann man im Jahr 2017 schon etwas mehr erwarten als stumpfe Action ohne richtige Handlung.

Spielwelt

Was die Story nicht gut gemacht hat, bügelt die Spielwelt aus. Dabei setzen die Entwickler je Mission eine Karte, auf der in aller Regel mehrere Ziele verfolgt werden können. Hier fällt sofort auf, dass die Areale sehr groß ausfallen, sodass ihr genügend Platz zum Erkunden und Ausprobieren habt.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Gebiete abwechslungsreich und mit Liebe zum Detail programmiert wurden. Von malerische Küstenorte über Wälder bis hin zu einem weitläufigen Hafen bietet Sniper Elite 4 verschiedene Szenarien an bei denen ihr unterschiedlich agieren könnt. So führen tatsächlich viele Wege zum Ziel, was unterstützend auf die unterschiedlichen Spielstile wirkt.

Sniper Elite sollte immer lautlos gespielt werden, denn erst so kommt der „Thrill“ des Gameplays auf. Dazu unterstützen euch Elemente, wie Unterschallmunition und schallgedämpfte Waffen. An einigen Stellen ist das Weiterkommen auch ohne Einsatz von Gewalt möglich.

Dafür ist die Umgebungen sehr hilfreich. Während regelmäßig Kampfflugzeuge über das Gebiet fliegen oder ein großes Geschütz die ganze Zeit, könnt ihr diesen idealen Moment nutzen, um von erhöhter Position einen tödlichen Schuss abzugeben. Doch der Lärm kann sich auch gegen euch richten, wenn etwa auf einem Dachboden zu laut getrampelt wird oder auf einem Dach Vögel aufschreckt werden

Letzter Ausweg Maschinengewehr

Ihr sucht Action? – Bitte schön: Im Notfall könnt ihr immer noch Sprengstoff, Minen und Stolperfallen verteilen, greift auf Maschinengewehre zurück und werft Granaten. Leider funktioniert das fast etwas zu einfach, da ihr an jeder Ecke Panzerminen und Verbände findet, kann unser Elite-Scharfschütze auch mal den Rambo spielen. Shooter-Freunde sollten dann von Beginn an mindestens den dritten von vier Schwierigkeitsgraden wählen, um gefordert zu werden.

Gut gefällt auch die grundsätzliche Aufteilung der Aufgaben. Euch steht frei, welche Mission ihr wie und wann angeht. Entweder erst den wichtigen General ausschalten, sich doch um seine Offiziere kümmern oder einfach nur Nebenmissionen erfüllen? Innerhalb der Karten seid ihr völlig frei.

Multiplayer

Der Mehrspielerpart ist auch bei Sniper Elite 4 wieder ein Nice-to-Have, das für viele weitere Stunden unterhalten kann. Wie gut dieser ist können wir an dieser Stelle aber noch nichts sagen, da bei der Vorab-Version das Matchmaking noch nicht funktionierte

Die Spielerstellung bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, bei den Modi warten immerhin die Standardgenres. Auch ein Koop steht bereit, in dem die Kampagne zu zweit gespielt oder in einem Survival-Modus gegen zunehmend starke Gegnerwellen gekämpft werden kann.

Technik

Uns gefällt auch sehr die technische Umsetzung bei Sniper Elite 4. Es ist ganz klar ein Update im Vergleich zum Vorgänger inklusive neuer, auf Dauer aber eher nerviger „Killcam“ zu sehen. Am Ende steht solider ein Shooter, der sich optisch im Mittelfeld bewegt und sich so deutlich vom veralteten Sniper Elite 3 abhebt.

Auf unserem Testsystem läuft Sniper Elite 4 in einer Auflösung von 1.920 × 1.080 Pixeln unter maximalen Details flüssig bei 60 Bildern pro Sekunde.

Hinzu kommt, dass die Schauplätze ansehnlich in Szene gesetzt sind und auch viele andere Kinderkrankheiten behoben wurden. So fühlt sich das Gameplay von Fairburne endlich flüssig an. Selbst mit der auf das Gamepad optimierten Maus-Tastatur-Steuerung am PC bleibt man kaum noch an Mauervorsprüngen und Ecken hängen. Bugs haben wir keine entdeckt.

Bei all den Lobeshymnen ist allerdings die KI etwas auf der Strecke geblieben. Die Nazis von Sniper Elite 4 sind zwar nicht ganz so dumm wie in den Vorgängern, jedoch werden sie selbst in den höheren Schwierigkeitsgraden nur dann richtig gefährlich, wenn sie in größeren Gruppen auftreten.

Fazit

Sniper Elite 4 ist sicherlich nicht Spiel des Jahres 2017, da der Titel aufgrund einer mauen Story und flachen Charakteren schnell in Vergessenheit gerät. Für solide Action und Spielspaß reicht es aber auf jeden Fall!

Grundlage dafür ist die gute Mischung aus einer gelungenen Spielwelt, einem abwechslungsreichen Gameplay und einer merklich verbesserten Technik. Das sind zwar nicht gleich Gründe in die Luft zu springen, jedoch ist man dennoch von Sniper Elite 4 wegen der Herausforderung möglichst elegant durch die Karten und Aufgaben zu gelangen angezogen.

Wer über die Story hinwegsehen kann, wird mit Sniper Elite 4 sicher glücklich werden.

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