Raspberry Pi 3 im Test – Lohnt sich ein Upgrade?

Die Fangemeinde des Raspberry Pi ist vielfältig. Wir haben uns angeschaut, wer mit dem neuen Modell seinem Hobby nachgehen kann und wer besser noch bei einem älteren Modell bleibt.

Das Raspberry Pi 3 kommt mit einem neuen Prozessor, WLAN und Bluetooth. Ansonsten bleibt vieles gleich.

Kein neues Netzteil nötig

Bevor es losgeht wird ein Netzteil für den Micro-USB-Anschluss benötigt. Der Hersteller empfiehlt ein USB-Netzteil mit 5V 2,5 Ampere. Jedoch erweist sich ein 2A-Netzteil als vollkommen ausreichend. Bei 100 Prozent Last, mit aktivem WLAN, angeschlossener Maus und Tastatur zieht das Gerät im Maximalfall 580 mAmpere. Nutzt ihr aber noch zusätzliche Peripherie über USB oder GPIO, braucht ihr wohl ein neues Netzteil.

Danach wird auf die Micro-SD-Karte das aktuelle Raspbian-Image vom 29. Februar 2016 draufgespielt. Die neue Version ist auch Abwärtskompatibel.

W-Lan schnell einrichten

Der Start verläuft flott. Nach 20 Sekunden öffnen wir die GUI-Version von Raspi-Config auf, um die Orts- und Tastatureinstellungen vorzunehmen.

Das Wifi wird im Localisation-Tab eingerichtet. Nutzbar sind nur die Kanäle 1 bis 11. Doch das Raspberry Pi 3 kann auch als Access Point verwendet werden.

Richtig verbunden sind wir, wenn wir über das Netzwerk-Icon in der rechten oberen Ecke des Desktops die Liste der verfügbaren WLAN-Netzwerke anzeigen lassen und gewohnt unser Netzwerk auswählen. Die Empfangsleistung ist in Ordnung. Leider gibt es aber keinen Antennenstecker. Allerdings hat das Raspberry Pi 3 die erforderlichen Lötflächen für eine U.FL-Buchse.

Mit Hilfe von Iperf wird die W-Lan Performance gemessen: 45 MBits pro Sekunde! Die Geschwindigkeit per LAN-Verbindung liegt bei 95 MBits pro Sekunde.

Benchmark mit Problemen

Zeit für den Sysbench, um die Leistungsfähigkeit des neuen Prozessors zu ermitteln.

sysbench --num-threads=1 --cpu-max-prime=10000 --test=cpu run
sysbench --num-threads=4 --cpu-max-prime=10000 --test=cpu run

Der erste Aufruf belastet nur einen Thread und gibt so Auskunft über die Performance bei einem einzelnen Kern, der zweite hingegen nutzt vier Threads und sollte deshalb alle vier Kerne beschäftigen.

Die Tests fallen recht bescheiden aus. Das lag einzig alleine daran, dass USB-Kabel etwas zu lange war. Bei Verwendung eines kürzeren Kabels sind die Bechmark Ergebnisse wesentlich besser. Denn jetzt braucht das Raspberry Pi 3 im Single-Thread-Test nur noch 182 Sekunden (Pi 2: 292 Sekunden) und im Multi-Thread-Test 45 Sekunden (Pi 2: 75 Sekunden) zum Rechnen.

Flottes Programmieren und Schreiben

Was bringen die Benchmak-Ergebnisse denn jetzt für den Endverbraucher? – Ein angenehmes Arbeiten auf dem Desktop. Libreoffice sowie IDEs zum Programmieren arbeiten flott. In Minecraft wird eine Welt ohne Lags und Ruckler umgestaltet. Allerdings gibt es Ruckler weiterhin bei Videos im Browser. Grenzen werden in der Praxis eher durch den verfügbaren RAM und die Geschwindigkeit der Micro-SD-Karte als durch die CPU gesetzt.

Mediacenter-Fans müssen warten

Raspberry Pi 3 erbt die Grafik- und Videofähigkeiten des Raspberry Pi 2. Für den Mediacenter-Einsatz werfen wir einen Blick auf die OpenELEC-Webseite. Mit der Distribution (Version 6.0.3) klappte alles, vom Starten der Anwendung bis hin zur Unterstützung von HDMI-CEC, auch auf TV-Geräten von Samsung.

Zocker können starten

Zum Spielen haben wir Retropie per Setup-Skript auf dem Raspbian installiert.

Emulationstation startet ohne Probleme. Im Retropie-Menü können wir die WLAN-Verbindung konfigurieren. Sogar ein PS3-Controller funktioniert per Bluetooth. Dazu wird im Retropie-Setup der PS3-Controller angemeldet und mit dem Raspberry Pi verbunden.

In Emulationstation selbst geht dann die Controller-Konfiguration ziemlich schnell und einfach. Nachdem alles konfiguriert ist, starten wir Mario Kart 64. Leider friert nach wenigen Sekunden der Bildschirm ein. Das passiert auch teilweise schon bei der Fahrerauswahl und manchmal werden auch die Tasten einfach nicht mehr erkannt. Mit dem kabelgebundenen Xbox-Controller funktioniert hingegen alles.

Alternative Betriebssysteme starten nicht

Als alternatives Betriebssystem haben wir auch OSMC installiert, doch starten konnten wir es auf dem Raspberry Pi 3 nicht.

Von Windows 10 IoT Core ist ein Insider-Build erschienen, bisherige Images funktionieren nicht mit dem Raspberry Pi 3. Auch Snappy Ubuntu Core läuft derzeit noch nicht.

Kein Aufbewahren in der Dunkelheit

Auch das Raspberry Pi 3 ist empfindlich gegenüber Xenon-Blitzlicht und stürzt dabei ab, ohne Schaden zu nehmen. In der Praxis dürfte solch ein Absturz kaum für möglich sein. Das Blitzlicht muss nämlich in weniger als 10 cm Abstand zum Chip aufleuchten.

Verfügbarkeit und Preis

Das Raspberry Pi 3 wird von vielen Händlern angeboten, wie zum Beispiel Pollin, Farnell und Watterott. Dort sind sie aber fast alle ausverkauft, jedoch sollte es schnell wieder verfügbar sein. Zwischen 39 und 45 Euro beträgt der Endkundenpreise in Deutschland.

Fazit

Der Aufpreis für das Raspberry Pi 3 von 2 bis 3 Euro gegenüber dem Pi 2 ist ja schon ein Geschenk. Einzig die höheren Anforderungen an eine stabile und störungsfreie Spannungsversorgung sind Nachteile des Raspberry Pi 3.

Raspberry Pi 2 (l.) und Pi 3 (r.)

Leistungsunterschiede sind bei einem reinen Mediacenter kaum spürbar. Die Leistungssteigerung vom Raspberry Pi zum Pi 2 vor einem Jahr fiel wesentlich höher aus.

Einen wirklichen Grund gibt es jetzt nicht, so schnell wie möglich vom Raspberry Pi 2 auf einen Pi 3 umzusteigen. Anfänger sollten die nächsten Wochen noch die Finger vom neuen Modell lassen. Nur Retropie-Fans und Bastler, sollten sich einen Raspberry Pi 3 holen.

Quelle: Golem

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