Kingdom Come: Deliverance im Test – Das Gothic aus Tschechien

Kingdom Come Deliverance im Techniktest: So hübsch war das Mittelalter noch nie [Update]Das ursprüngliche Kickstarter-Projekt Kingdom Come Deliverance ist nach vier Jahren Entwicklungszeit endlich fertig. Wir begaben uns ins bildhübsche Königreich Böhmen des 15. Jahrhunderts, um die Schwerter zu kreuzen!

Das ambitionierte Rollenspiel  Kingdom Come Deliverance ist kein Spiel für Ungeduldige, das haben die Entwickler schon im Vorfeld betont, und das zeigt sich nun auch im Test. Im Spiel übernehmen wir die Rolle von Heinrich, der zu Spielbeginn im Auftrag seines Vaters ein paar Gegenstände besorgen soll und dabei immer tiefer in den Krieg zwischen dem Böhmischen König Wenzel und seinem Halbbruder Sigismund hineingezogen wird. 

Kurz nach dem Auftakt des Action-Adventures geht die halbwegs heile Welt vollständig in die Brüche. Die Armee des feindlichen Sigismund von Ungarn fällt über das Dorf her, dabei kommen unter anderem die Eltern von Heinrich ums Leben. Seine Aufgabe: Er muss Vater und Mutter rächen, ein wertvolles Schwert wiederbeschaffen und ganz allgemein für das Gute kämpfen.

Das macht er dann auch im einigermaßen detailgetreu nachgebildeten 15. Jahrhundert in einer Region namens Sasau im Südosten von Böhmen. Das Gelände und viele der Gebäude sind ungefähr den lokalen Gegebenheiten nachempfunden.

Was das Spiel von anderen meist vergleichbaren Titel anders macht sind die echten Tagesabläufe von computergesteuerten Personen.

Es gibt viele aus dem echten Leben übernommene Details, die Kingdom vergleichsweise komplex und damit im einzigen Schwierigkeitsgrad durchaus herausfordernd machen. So müsst ihr regelmäßig schlafen und auf genug zu essen achten. Sogar die Nahrung verdirbt innerhalb weniger Tage. So schützt euch der Frischegerad vor einer Lebensmittelvergiftung.

Das Ritterspiel bietet keine manuelle Speicherung an, sondern hat bestimmte automatische Speicherpunkte. Doch mit dem Gegenstand „Retterschnaps“, können auch manuell Spielstände angelegt werden können. Diesen bekommt man im Verlauf der Handlung oder gegen Geld beim Händler.

Das Kampfsystem

Wie das genau das funktioniert, lernen wir in gut gemachten Tutorials innerhalb der Kampagne. Trotz viel Übung mit Schwertsteuerung sind wir noch nicht ganz so glücklich, da die Eingaben oft mit einer zu langen, nicht nachvollziehbaren Verzögerung erfolgen, so dass der Sieg eines Kampfes von Zufall abhängt. Allerdings kann man sich gegen einfache Feinde, etwa Banditen auf der Straße, sehr einfach durchsetzen und gewinnt. Kommt es zu Gefechten mit Rittern kommt hier und da schon mal Frustration auf. Gekämpft wird dabei in der Ego-Perspektive. Dabei wird gestochen, geblockt, gekontert und Ausfallschritte gemacht sowie Kombos ausgeführen. Jeweils sechs gibt es für Langschwerter, Kurzwaffen mit Schild und Kurzschwerter. 

Pfeil und Bogen sind in Kingdom Come Deliverance eine tödliche Waffe, aber eben auch eine sehr, sehr anspruchsvolle. Sobald der Bogen ausgewählt ist, fällt die Zielvorrichtung komplett weg. Damit verlangt das Bogenschießen absolute Skills. 

Eine große Stärke von Kingdom ist die schöne, stimmig in Szene gesetzte Welt. Diese ist zwar nicht mal annähernd so groß oder technisch imposant wie in Assassin’s Creed Origins, bietet aber dennoch viel zu entdecken und Spielspaß für einige Stunden. Neben der Haupthandlung gibt es auch Nebenmissionen zu erledigen, etwas Schulden für unseren Vater eintreiben oder nach einem verschollenen Ring suchen.

Keine Klassen aber Skills

Um sich in der ca. 16 Quadratkilometer großen Spielwelt zu orientieren, gibt es den Kompass am oberen Bildrand. Als kleine Wappen sind dort auch die Ziele des Spielers angezeigt. Dazu gibt es eine Landkarte mit Schnellreisefunktion. Leider funktioniert die etwas langsamer als bei anderen Spielen. Kingdom hat kein Klassensystem, aber ihr könnt euch ganz nach gewünschtem Charakter diebisch, diplomatisch oder kämpferisch verhalten. Das Charaktermenü wirkt realistisch und legt enorm großen Wert auf naturgetreue Ausrüstung und außergewöhnliche Talente. Das gilt auch für den Ausbau der Charakterwerte vom Protagonisten. Denn am Anfang seid ihr noch lange kein Ritter. Durch Übung zur Meisterschaft bildet ihr seine Werte aus: Je mehr ihr kämpft, desto schneller steigen Stärke und Agilität. Das Charaktersystem enthält neben den Grundwerten wie Stärke, Agilität oder Vitalität spielen Fertigkeiten wie Redekunst, Charisma oder Sichtbarkeit eine Rolle. Dann gibt es Perks wie eben genannten „Sadist“ die, einmal freigeschaltet, Neues erlauben wie Kombos oder einem Angriff mehr Kraft geben.

Doch Kämpfen ist gar nicht der Fokus von Kingdom. Es ist mehr als ein Adventure zu sehen, welches ihr über weite Strecken bestreitet. Ihr sucht Gegenstände, übergibt Objekte oder Nachrichten, stehlt oder kauft Ausrüstung und führt viele Gespräche. Dennoch ist eine komplette Vermeidung von Auseinandersetzungen mit Schwert oder Pfeil und Bogen nicht möglich und würde auch keinen Spaß bereiten.

Systemanforderungen

Die Systemanforderungen sind relativ niedrig: Laut Warhorse sind die Mindestanforderungen eine CPU vom Typ Intel Core i5 2500K mit 3.3GHz oder AMD Phenom II X4 940 und 6 GByte RAM. Als Grafikkarte muss eine Nvidia Geforce GTX 660 oder AMD Radeon HD 7870 vorhanden sein.

Für die maximalen Einstellungen empfiehlt das Studio einen Intel Core i7 3770 mit 3,4 GHz oder einen AMD FX-8350 mit 4 GHz. Der Speicher sollte 8 GByte haben, die Grafikkarte eine Nvidia Geforce GTX 1060 oder eine AMD Radeon RX 580 sein. In jedem Fall benötigt Kingdom rund 30 GByte auf der Festplatte, als Betriebssystem genügt die 64-Bit-Version von Windows 7.

Auf der Xbox One X wird Kingdom Come Deliverance in der Auflösung 1440p (2.560 x 1.440 Pixel) berechnet. Außerdem soll das Programm auf der X über die „qualitativ hochwertigste globale Beleuchtung verfügen sowie über mehr und schönere Schatten, bessere Lichteffekte und eine größere Fernsicht“, so Hersteller Warhorse.

Auf der Playstation 4 Pro wird das Programm in einer Auflösung von 1080p berechnet (1.920 x 1.080 Pixel), die globale Beleuchtung ist nach Angaben des Studios etwas weniger aufwendig als auf der Xbox One X. Auf den Standardversionen von Xbox One und Playstation 4 wird KCD in einer Auflösung von 900p (1.600 x 900 Pixel) berechnet – und dann, wie alle Versionen, auf die Auflösung des Monitors skaliert. Die Bildraten liegt auf allen Konsolen bei rund 30 fps, HDR unterstützt Kingdom Come Deliverance nicht.

Verfügbarkeit

Kingdome Come Deliverance ist seit dem 13. Februar auf Steam erhältlich und auch für Playstation 4 sowie Xbox One. Eine DRM-freie und somit auch offline vollumfänglich nutzbare GoG-Version wird am 27. Februar folgen.

Die Qualität der deutschen Sprachausgabe ist gut, alternativ lässt sich die englische Tonspur einstellen; tschechische Sprachausgabe ist nicht aktivierbar. Einen Multiplayermodus gibt es nicht, ebenso keine Mikrotransaktionen. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Das Grafikmenü der PC-Version ... (Bild: Warhorse/Screenshot: Golem.de)

Fazit

Kingdom Come: Deliverance ist ein wahrhaft prächtiges Spiel geworden. Das KI-System funktioniert und es macht einen großen Spaß die NPCs bei ihrem Tagesablauf zuzusehen und ihre Reaktionen auf die Umwelt zu beobachten. Zweifelsohne erwähnenswert ist die exzellente deutsche Synchronisierung des Spiels. Die aus diversen Filmen und Serien bekannten Sprecher passen zum jeweiligen Charakter und betonen kontextbezogen! Zusammen mit der wohlklingenden, dynamisch eingespielten Mittelaltermusik sowie räumlich sauber ortbaren Umgebungsgeräuschen ist Kingdom Come Deliverance auch Balsam für die Ohren. Sogar das Hundebellen oder dem Rauschen von Regen sorgen für das gewissen etwas. Details wie die bei Bewegung scheppernde Rüstung, die Kommentare der NPCs und viele weitere Feinheiten hauchen der Spielwelt Leben ein.

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